Inklusive Pädagogik

Bei „Ich bin O.K.“ ist Inklusion keine Illusion.
Ich bin O.K.

Bei „Ich bin O.K.“ ist Inklusion keine Illusion.

Text von Maria Dinold, Helga Neira Zugasty


Unsere Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen verwirklichen immer effizienter den Paradigmenwechsel, der durch die UN Behindertenrechtskonvention langsam aber sicher in Gang kommt! Es geht dabei nicht nur um die Veränderung der Sichtweise, wie Behinderung zu verstehen ist: Die anders verlaufenden Entwicklungen werden nicht mehr unter dem medizinischdefizitorientierten Blickwinkel erfasst. Behinderung bezieht sich vielmehr auf den gesellschaftlichsozialen Prozess und dabei vorrangig darauf, was die Teilhabe erschwert und Menschen mit Behinderung dabei einschränkt, ihr Potenzial an Fähigkeiten freizusetzen.

Im künstlerisch-tänzerischen Feld bezieht sich diese Entwicklung nicht nur darauf, dass unsere Tänzerinnen und Tänzer in der kulturellen Szene „auch dabei“ sein sollen. Es stehen besonders die individuellen Fähigkeiten, Wünsche und Ausdrucksstärken der Teilnehmenden in allen Gruppen als gestalterisches Element im Fokus, nicht nur auf der Bühne, sondern ganz bewusst auch in den einzelnen Trainingseinheiten. Erst die Kunst, unterschiedliche Ausdrucksformen als gleichwertig anzuerkennen und sie miteinzubeziehen, schafft den Grundstein für überzeugende, authentische Choreografien.

Inklusive Pädagogik zu verwirklichen ist ein hoher Anspruch, ein ständiger Entwicklungsprozess, bei Ich bin O.K. aber schon längst keine Illusion mehr. Nicht nur für die Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen unseres Vereins ist die didaktische Gestaltung der Tanzeinheiten in inklusiver Weise eine konstante Herausforderung. Auch von den Tänzerinnen und Tänzern selbst erfordert es Rücksichtnahme, Akzeptanz, oft auch Geduld, um den Bewegungs- und Ausdruckpotenzialen jedes Gruppenmitglieds in den Übungsabläufen bewusst Raum zu geben.

Wir – das künstlerisch-pädagogische Team – sind in ständigem Austausch mit der internationalen Tanzszene, die zunehmend auch eine inklusive Arbeitsweise in den Blick nimmt. Wir arbeiten in Forschungsprojekten mit, organisieren seit vielen Jahren Vorträge, Fortbildungen und Workshops für Lehrende, Lernende und Betroffene, um auch in diesem Sinne das Erfahrungsfeld zu erweitern und zu vernetzen. Leider nimmt die breitere Öffentlichkeit von diesen wichtigen daraus gewonnenen Erkenntnissen nur marginal Notiz.

In unserem Verein haben eine Reihe von Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen ihre ersten Erfahrungen mit dem Unterrichten von Menschen mit Behinderung gewonnen. Jährlich schulen wir Praktikantinnen und Praktikanten in die Übungsabläufe und Performancesituationen ein, was zu einer großartigen Win-win-Situation führt. Einerseits sammeln die Assistentinnen und Assistenten Erfahrungen für ihre Praxis und andererseits unterstützt dadurch ein zunehmend fachkundiges Team den Lernprozess der Teilnehmenden. Häufig erkennen wir ein unterschiedliches Bewusstsein bzw. eine geänderte Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung und deren Kompetenzen nach Absolvierung solcher Praktika.

Es geht immer darum, individuelle tänzerische Elemente der unterschiedlich differenzierten Ausdrucksweisen einzelner Tänzerinnen und Tänzer als gleichwertig wirksamen Baustein in Choreografien einzusetzen. Das ist die andere Art von Kunst, die bei Ich bin O.K. auch gepflegt wird: das pädagogisch-künstlerisch-empathische Basishandwerk.

Damit schaffen es unsere Pädagoginnen und Pädagogen, dass in einem fröhlichen, zugleich auch ernsthaften Arbeitsklima im alltäglichen Training begeisternde kleine und große Choreografien entstehen, die jene Menschen vom inklusiven Miteinander überzeugen, die bislang Menschen mit Behinderung mit ihren Stärken noch nicht entdeckt haben. Bei Ich bin O.K. ist Inklusion keine Illusion!


Aus „Ein Buch über das andere Tanzen“ von Horak/Mayr

CoverBuch AufführungBuch AufführungBuch AufführungBuch OK-TextBuch KatalinBuch HanaBuch AttilaBuch Clara und MikeBuch TänzerBuch TänzerBuch TänzerBuch TänzerBuch Kinder

Der Fotograf Philipp Horak und die Grafikerin Marion Mayr sind Eltern zweier „Ich bin O.K.“-TänzerInnen und wollen mit diesem Buch den Verein feiern. Sie haben Menschen, die „Ich bin O.K.“ angehören, porträtiert und einen Rückblick auf inspirierende und bewegende Jahre geschaffen.

  • Mit vielen Fotos von Philipp Horak
  • Vorwort von Bundespräsident Alexander Van der Bellen
  • Interview mit Gründerin Katalin Zanin
  • Porträt des Vereins von Maria Dinold, Helga Neira Zugasty und Hana Zanin Pauknerová
  • Porträts der Mitglieder Mathias Mehrwald, Niklas Kern, Clara Horvath & Mike Brozek
  • Interview mit dem Tänzer, Tanzpädagogen und Choreographen Kirin España-Orozco
  • „Ich bin O.K.“-Chronologie

Erhältlich um EUR 35,– über den Verlag Hollinek (zuzüglich Versandkosten).

Mit „Alice im Wünsche-Land“ wurde wieder einmal bewiesen, was für künstlerische Talente es in unserem Land gibt, und wie wichtig es ist, diese zu fördern. Die Produktion war äußerst professionell und, mit den bunten Kostümen und Requisiten, fantastisch inszeniert.
Besonders beeindruckt hat mich natürlich das improvisatorische Talent unserer lieben „Grinsekatze“ Fiona, welche ja auch im echten Leben immer einen guten Spruch drauf hat.
Ein großes Kompliment an „Ich bin O.K.“, ein wirklich großartiger Verein, der sich für mehr Toleranz einsetzt. Dies liegt mir persönlich auch sehr am Herzen, da wir einige Menschen mit besonderen Bedürfnissen in unseren Unternehmen beschäftigen.
Mario Plachutta, Plachutta Restaurants

Die Tänzerinnen und Tänzer des inklusiven „Ich bin O.K.“-Tanzstudios berührten mit ihrer neuesten Produktion die Herzen von Groß und Klein! Das engagierte Team um hat schier Unglaubliches geschafft, denn pandemiebedingt musste diese neue Produktion mehrfach verschoben werden und mit Unsicherheiten kämpfen.
Obwohl virtuelle Räume die vielen Dimensionen eines gemeinsames (Er)arbeiten in Präsenz nicht bieten können, wurden sie genutzt. Tanzen und Proben wurden rasch via Zoom angeboten, bewegungshungrig aufgenommen und trotz der sinnlichen Begrenztheit unermüdlich weitergeführt. Das Online-Training wurde zum fixen Bestandteil der Woche und bot Strukturierung, Abwechslung und Zielsetzung. Die jugendlichen und erwachsenen TänzerInnen entwickelten dadurch neue Medienkompetenzen, die sie auch anderweitig nutzen konnten. Ab dem Moment, in dem persönliches Begegnen wieder möglich war, wurde intensiv geprobt. Die Überbrückung des Lockdowns und alle die damit verbundenen Anstrengungen haben sich wahrlich gelohnt:
An den strahlenden Sommertagen und –abenden des 26. und 27. Juni 2021 lösten Christine Kortschak und Magdalena Tichy als Alice in abenteuerlichen Begegnungen das Rätsel der emotionalen Kälte der Herzkönigin. Mit Hilfe aller TänzerInnen, die persönliche Ideen und Wünsche in phantasievollen Szenen realisieren konnten, brachten sie ihr die verlorene Herzenswärme zurück! Diese wird in Krisenzeiten umso mehr benötigt, um Spaltung, Ausgrenzung und Ängsten vorzubeugen.
Daher haben uns die die Masterminds Hana Zanin Pauknerová und Attila Zanin mit dieser Produktion ein riesengroßes Geschenk gemacht und ins Rote (Herz, Liebe, Freude,…) getroffen!
Karin Lebersorger, Kinder- und Jugendlichenpsychologin